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Zigeuner frauen

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Konkret sollte folgenden Fragen nachgegangen werden: Welche Rolle kommt der Frau in traditionell lebenden Roma-Familien zu? Inwiefern spielt die Sicherung der Ethnie dabei eine Rolle? Welche Bilder existieren in der Mehrheitsgesellschaft und wie passen diese zur Realität?

Name: Verena
Jahre alt: Ich bin 52

Views: 78819

Kindheit einer Sinteza: "Mir kann keiner etwas sagen". Branche: Maschinen- und Anlagenbau. Wagner ist stellvertretender Chef, verantwortlich für die Finanzen.

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Sein Alltag: oft stressig. Sein Berufsweg: erfolgreich. Und weitgehend unauffällig. Doch es gibt etwas, das Wagner im Betrieb verschweigt. Deswegen will er auch seinen richtigen Namen in diesem Artikel nicht lesen. Sido, Marianne Rosenberg und Charlie Chaplin: Prominente Roma und Sinti. Wagner gehört zu den deutschen Sinti. Sie kamen vor rund Jahren nach Westeuropa, ursprünglich aus Indien.

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Gemeinsam mit den deutschen Roma, die vor rund Jahren aus Osteuropa einwanderten, leben hierzulande schätzungsweise In Europa leben geschätzt bis zu zwölf Millionen Roma. Die deutschen Sinti und Roma sind hierzulande eine von vier anerkannten Minderheiten. Weitere Roma wanderten als Gastarbeiter in der Nachkriegszeit ein oder flohen in den Neunzigerjahren vor den Kriegen im ehemaligen Jugoslawien hierher. Sie fallen jedoch nicht unter das Abkommen. Darin hat sich der deutsche Staat verpflichtet, den deutschen Sinti und Roma zu ermöglichen, "ihre Traditionen und ihr kulturelles Erbe zu bewahren".

Die Roma haben sich eine gemeinsame Sprache bewahrt: Romanes ist mit dem altindischen Sanskrit verwandt. Allerdings unterscheidet sich das von den Sinti gesprochene Romanes deutlich von dem, welches Roma zum Beispiel in Osteuropa sprechen. Viele Wörter sind auch aus den Sprachen der Heimatländer übernommen. Romanes hat keine standardisierte Schreibweise oder Grammatik und wird bis heute meist mündlich in den Familien überliefert.

Schriftliche Quellen gibt es kaum. Schätzungsweise sprechen noch etwa drei Viertel der Sinti Romanes. Die jahrhundertelange Verfolgung hat die Kultur der Sinti geprägt. Weil ihnen andere Berufe verwehrt blieben, zogen sie früher häufig als Metall- oder Pferdehändler, Scherenschleifer oder Schausteller durchs Land.

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Auch als Musiker waren sie teils sehr erfolgreich. Zwischen und wurden im Deutschen Reich rund Edikte erlassen, die Sinti zum Beispiel untersagten, innerhalb der Stadtmauern zu siedeln oder einer Zunft beizutreten - oder die sie als vogelfrei erklärten. Beruflich sind heute nur noch wenige Sinti dauerhaft unterwegs. Die Nazis verfolgten Roma und Sinti systematisch, betrieben Rassenforschung und Zwangssterilisationen an ihnen und zerstörten viel von ihrem kulturellen Erbe. Von damals rund Mindestens Von ihnen überlebte höchstens jeder Zehnte.

Inzwischen gibt es zahlreiche Verbände und Programme, die Sinti und Roma unterstützen. So fördert die Bundesregierung unter anderem die Arbeit des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma und das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg. Die Hildegard-Lagrenne-Stiftung bietet Beratung und Stipendien für Roma und Sinti an und betreibt bundesweit Aufklärungsarbeit, ebenso wie der Landesverband Deutscher Sinti und Roma Baden-Württemberg.

Dass - nach jahrzehntelangem Konflikt - in Berlin ein Denkmal für die im Dritten Reich ermordeten Sinti und Roma eingeweiht wurde, verlieh der Bürgerrechtsbewegung neuen Auftrieb. Oft fallen sie mit ihrem Aussehen nicht auf, mit Sprachproblemen sowieso nicht. Deshalb können sie selbst wählen, ob sie sich als Sinti outen. Deshalb redet Wagner am Telefon Deutsch, wenn seine Frau in der Firma anruft - und nicht Romanes, die Sprache der Sinti und Roma. Doch im Beruf ist es ein Nachteil, weil so viele Menschen unbegründete Vorbehalte haben.

Und ich habe auch so schon genug Stress. Probleme bei der Wohnungssuche, unfreundliche Kellner im Restaurant, Schulhofsprüche wie "zick, zack, Zigeunerpack" - Wagner kennt all das aus seiner Familie. Osteuropäer, Muslime, Schwarze, Italiener, Juden und Asylbewerber schnitten besser ab.

Zwei Jahre später ergab eine andere Studie : Fast sechs von zehn Bürgern hätten ein Problem damit, wenn Sinti und Roma in ihrer Nähe wohnen würden. Rund die Hälfte fand, Sinti und Roma sollten aus den Innenstädten verbannt werden. Es gibt keine Zahlen darüber, wie viele Sinti beruflich erfolgreich sind. Das liegt auch daran, dass die meisten diesen Teil ihrer Identität in der Öffentlichkeit verleugnen. Es hat einige Wochen gedauert, anonyme Gesprächspartner für diese Recherche zu gewinnen. Der SPIEGEL hat bei mehreren Verbänden und Netzwerken angefragt. Einige vermittelten zunächst Kontakte, die sich dann doch gegen ein Interview entschieden.

Er erinnert sich an nur eine junge Frau, die sich in den vergangenen fünf Jahren vor ihrem Chef geoutet hat.

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Die Jährige aus Darmstadt arbeitet in einer Modeagentur und ist auch öffentlich stolz darauf, eine Sinteza zu sein. Als sie ein Junge in der fünften Klasse eine "Zigeunerin" nannte, beschwerte sie sich beim Schulleiter. In der Oberstufe hielt sie Referate über die Verfolgung der Sinti im "Dritten Reich". Auf Facebook hat sie die Gruppe Sinti-Roma-Pride mitgegründet, die sich für ein positiveres Bild der Minderheit einsetzt. Die beiden Frauen sitzen in Darmstadt an einem Küchentisch vor Kaffeetassen und Kuchen. Sie bekam anonyme Mails. Inzwischen arbeitet sie als Waldorfpädagogin und geht offener mit ihrer Identität um.

In der Familie ecken Mutter und Tochter damit jedoch an.

Dahinter steht mehr als die Sorge, einen flapsigen Zigeunerspruch zu kassieren. Im "Dritten Reich" starben europaweit eine halbe Million Sinti und Roma. Als NS-Opfer, die Entschädigung verdienen, sind sie allerdings erst seit den Achtzigerjahren anerkannt. Noch schrieb der Bundesgerichtshof in einem Grundsatzurteil über "Zigeuner": "Sie neigen, wie die Erfahrung zeigt, zur Kriminalität, besonders zu Diebstählen und Betrügereien, es fehlen ihnen vielfach die sittlichen Antriebe der Achtung vor fremdem Eigentum, weil ihnen wie primitiven Urmenschen ein ungehemmter Okkupationstrieb eigen ist.

Karteien, in denen Sinti und Roma zur "Kriminalitätsbekämpfung" erfasst wurden, waren bis in die Nachkriegszeit üblich. Sein Team schulte Sinti, um andere Sinti zu befragen. Anders sei die "notwendige Vertrauensbasis" nicht herzustellen gewesen.

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Und selbst dann wollten die meisten Teilnehmer anonym bleiben. Die Studie, die allerdings nicht repräsentativ ist, kam zu folgender Einschätzung: "Während in der deutschen Gesamtbevölkerung im Durchschnitt circa 85 Prozent eine Berufsausbildung irgendeiner Art machen und lediglich circa 15 Prozent nicht, ist es bei den Sinti und Roma nahezu umgekehrt.

Die durften im "Dritten Reich" aber nicht zur Schule gehen. Die Minderheit habe das Bildungsdefizit bis heute nicht wieder ausgleichen können. Die jahrhundertelange Verfolgung hat auch die Kultur der Sinti stark geprägt.

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So zogen sie früher häufig als Metall- oder Pferdehändler, Scherenschleifer oder Korbflechter durchs Land, weil ihnen andere Berufe verwehrt waren. Heutzutage haben nur noch wenige Sinti einen Job, für den sie ständig auf Reisen sind.

Doch das Image lebt fort. In der jüngsten Umfrage für die Antidiskriminierungsstelle des Bundes sagte jeder Dritte, die "Zigeuner" seien ein "fahrendes Volk". Nicht einmal jeder Zehnte machte dabei einen Unterschied zwischen Sinti und Roma. Verarmte Roma, die in den vergangenen Jahrzehnten aus Osteuropa hergekommen und oft von Abschiebung bedroht und rassistischen Angriffen ausgesetzt sind, prägen dabei das Image dererdie seit Jahrhunderten zur deutschen Gesellschaft gehören. Thomas Wagner hat vor einigen Wochen immerhin seine Chefin eingeweiht, mit der er sich sehr gut versteht.

Also beichtete er ihr auf einer Geschäftsreise, dass er "kein reindeutscher Junge" sei. Es stellte sich heraus: Auch seine Chefin hat eine Zuwanderungsgeschichte. Hatte man ihr gar nicht angesehen. So nennt man Frauen, die den deutschen Sinti angehören.

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Ihre Vorfahren stammen aus Indien, sie sind aber schon seit mindestens Jahren in Deutschland heimisch. Seit den Neunzigerjahren sind die deutschen Sinti und Roma eine anerkannte nationale Minderheit, die von der Bundesregierung und auch von verschiedenen Bundesländern gefördert wird.

Trotzdem verleugnen viele Sinti diesen Teil ihrer Identität. Sie habe anonyme Briefe bekommen, in denen sie als "Zigeunerin" beschimpft wurde, erzählt sie. Weit mehr als die Hälfte der deutschen Sinti und Roma überlebte die NS-Zeit nicht. Dieser Opa arbeitete als Antiquitätenhändler.

Dass Sinti immer noch als "fahrendes Volk" gesehen werden, liegt daran, dass sie jahrhundertelang ausgegrenzt waren. Weil ihnen andere Berufe verwehrt blieben, zogen sie früher häufig als Metall- oder Pferdehändler, Scherenschleifer oder Korbflechter durchs Land. Nur noch wenige Sinti sind heute beruflich dauerhaft unterwegs.

Viele Verwandte verreisen im Urlaub gern mit dem Wohnwagen. Die Kultur der Sinti ist wenig erforscht, sehr unterschiedlich und hat sich über die Jahrhunderte stark verändert.

Das gelte aber nur für Familientreffen, nicht für den Alltag. Die Sinti und Roma sind eine heterogene Gruppe, mit verschiedenen Dialekten, Bräuchen und Traditionen. Viele outen sich damit nicht, weil sie Diskriminierung fürchten.

Eine prominente Sinteza ist die Sängerin Dotschy Reinhardt. Die Sängerin ist verwandt mit dem belgischen Gitarristen Django Reinhardtder als Begründer des europäischen Jazz gilt und den Manouches angehörte, den französischsprachigen Sinti. Viele seiner Verwandten starben in Konzentrationslagern.