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Laufhaus breite gasse

Wäre wahrscheinlich besser diese durchaus valide Diskussion in einen separaten Thread auszulagern. Da gibt es ja wohl noch sehr viel Gesprächsbedarf zu, allein schon weil viele Leute da gern von linken Umverteilungsapologeten propagierten Halbwahrheiten auf den Leim gehen. Wer denkt er könnte durch endloses Schuldenmachen aus seiner Situation quasi herauswachsen, befindet sich auf dem Holzweg.

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Online: 2 Minuten vor

Über

Der Drogenhandel im Allerheiligenviertel floriert. Die Menschen, die dort wohnen, sind genervt: Lautstarke Streits und Schlägereien gehören im Allerheiligenviertel zum Alltag. Nach Beschwerden über den Drogenhandel und seine Begleiterscheinungen kontrollieren die Ordnungshüter das Quartier verstärkt. Verbessert hat sich laut einer Interessengemeinschaft aber kaum etwas.

Name: Maxi
Jahre alt: 29

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Beteiligt war er an ehrwürdigen wie anrüchigen Projekten. Der gelernte Maurermeister setzte nach dem Krieg die historische Paulskirche instand, baute Kinos auf Trümmerflächen und jonglierte später mit Immobilien. Damit machte er Millionen.

Flexibel blieb der vielseitige Unternehmer auch, als sich Bürger im Frankfurter Westend- durch den Gewerbebetrieb in seinen Häusern belästigt fühlten. Im Rotlicht-Revier, wo internationale Banden wie die »Euro-Gang« und auswärtige Grundstücksspekulanten herrschten, hatte es Schütz als Frankfurter unter Fremden »verdammt nicht leicht«.

Er boxte sich mit einer Einstellung durch, die ihm »als Baumensch eigen« war: »Nicht vornehm, aber immer fair. So stockte der hemdsärmelige Handwerker, von der Konkurrenz respektiert und in Ruhe gelassen, sein Dirnen-Imperium auf Betten auf, schuf Parkplätze auf dem Dach seiner Liebesherberge und drinnen Luxus: Drei Whirlpools legte er in echtem Marmor aus. Von dort will der Zwei-Zentner-Mann jetzt nicht mehr weichen.

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Die »heikle Operation an einem Herzstück« der Stadt, wie die »Süddeutsche Zeitung« die geplante Sanierung des Bahnhofsviertels wertet, ist der bislang wohl gewagteste Eingriff in die City-Zone einer bundesdeutschen Metropole. Wenn erst die Bordelle den Banken weichen und die Mieten hochschnellen, fürchten die Alteingesessenen, würden sie allesamt aus ihrem Heimatviertel vertrieben. Angeführt wird die bunt gemischte Gegenbewegung von Bordellbesitzer Schütz. Den Kampf um seine Liegenschaften, in die er rund zwanzig Millionen Mark investiert habe, will er sich »notfalls auch juristisch etwas kosten lassen«.

Unterstützung findet Schütz, versteht sich, bei den Dirnen, die um ihre Bleibe bangen.

Sie wollen sich nicht, klagt eine, »wie eine Hammelherde von einer Weide auf die andere treiben lassen, zumal, wenn die arg nach Schlachthof riecht«. Zur »Sperrgebiet - Nein danke«-Allianz gehören aber auch Polizisten, die vom Umzug keine Senkung der Verbrechensrate erwarten, sondern lediglich eine Verlagerung des kriminellen Milieus in neue Schlupflöcher.

In den Häusern aus der Gründerzeit, hinter deren einst schmucken Fassaden es bröckelt, haben sich neben Absteigen und Amüsierschuppen zahlreiche Tante-Emma-Läden und auch ein Schach-Cafe gehalten, dort sind türkische Minibasare eingezogen und griechische Pelzverarbeiter. Sollten die regierenden Christdemokraten das Areal für den Bau glitzernder Bankensilos und piekfeiner Appartements freigeben, dann, so befürchten oppositionelle Stadtplaner, drohe ein Häuserkampf - ähnlich schlimm wie in den siebziger Jahren im benachbarten Frankfurter Westend.

Die Säuberung hatte noch der damalige Frankfurter Oberbürgermeister Walter Wallmann eingefädelt, der »dieses Geflecht aus Prostitution, Kriminalität und Drogenhandel« zerschlagen wollte. Denn im Sündenrevier eigenhändig »die Pestgeschwüre auszumerzen«, wie der CDU-Stadtverordnete Karl Diensberg das Programm nennt, wäre dem sensiblen Wallmann sicher ein Greuel.

Sozialdemokrat Volker Hauff dagegen, von Wallmann einst im Kampf um den OB-Posten klar geschlagen und nun Brücks Gegenspieler für die Kommunalwahlhat im Kiez erst mal Basisarbeit betrieben. Von zwei Revierbeamten »in Jeans und auch sonst ganz locker« begleitet, streifte der Sozi interessiert durchs Amüsierviertel.

Ihn schockten zwar »die grelle Aufmachung der Peep-Shows« und, als sich ihm eine farbige Prostituierte als »verheiratet mit Herrn Müller aus Hannover« auswies, dieser »Menschenhandel mit allen Tricks«. Doch sonst ist der Schwabe, eine Mischung aus »Jung Siegfried« Hessens Innenminister Horst Winterstein und »Magnum« eine Prostituiertetoleranter als die Konservativen. Auch Frankfurt sei, zieht er sein Fazit in Anspielung auf den Rhein-Main-Airport, »eine Hafenstadt« und könne »mit dem Problem der Prostitution im Bahnhofsviertel leben«.

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Im entstandenen Bahnhofsviertel hat die Prostitution eine lange Tradition. So stritt sich schon das Ordnungsamt mit einer Dirne, die in einem der Wohnhäuser aus der Gründerzeit ihrem Gewerbe nachging. Nach dem Krieg belebten erst dollarschwere GIs, dann potente Messegäste das Amüsierviertel.

Die verkehrsgünstige Lage und die schummrigen Bars lockten aber auch internationale Verbrecherorganisationen an, Rauschgifthändler und damit zwangsläufig Drogenkonsumenten. Kein anderes Quartier hat seit den sechziger Jahren so sehr wie das Bahnhofsviertel dazu beigetragen, den Ruf der Stadt Szene-Jargon- »Krankfurt" zu ruinieren.

Im Viertel wohnen, schätzt die Polizei, nur noch Deutsche, aber mittlerweile rund Ausländer, die Hälfte illegal. Parallelen zur Entwicklung im Frankfurter Westend drängen sich auf: Dort hatten Spekulanten Gastarbeiterfamilien in die Häuser einquartiert, um den Verfall der Wohnsubstanz zu beschleunigen, oder Rollkommandos losgeschickt, die nachts intakte Heizkörper abrissen, Bäder und Treppengeländer kurz und klein schlugen. Sozialdemokraten werfen heute den kommunalen Unionspolitikern vor, sie hätten das Milieu durch gezielte Verluderung erst richtig reif für eine wählerwirksame Säuberungskampagne machen wollen.

Wo vor Jahren Männern eine Angel gereicht wurde, mit der sie den Stripperinnen unter lautem Gejohle die Kleidungsstücke wegfischen konnten, haben sich die sogenannten Schnüffeltheken etabliert. Dort sitzen, schon vormittags, Männer beim Bier dumpf um eine Drehscheibe, auf der wie auf einem Kuchenteller »die unbekleidete Frau ihre Vorführungen startet« und, so die Beschreibung des Unternehmers für die Genehmigungsbehörde, »unmittelbar am Sitzplatz des Beschauers vorbeirotiert, wo er dann die natürlichen Düfte der Frau beschnüffeln kann«.

»eine weide, die nach schlachthof riecht«

Die Pornoshops und Guckläden kann Wallmanns Nachfolger Brück freilich auch mit der neuen Sperrgebietsverordnung, im Amtsdeutsch SpVO, nicht auflösen. Das zum »Schutz der Jugend und des öffentlichen Anstandes« erlassene Paragraphenwerk verbietet nur die Prostitution.

Es unterscheidet dabei nach Ort und Art des Anbandelns. Das Bahnhofsviertel folgt nach einer Übergangszeit von zweieinhalb Jahren. Im übrigen Stadtgebiet dagegen geht''s per Telephon, aber auch nur da, wo die Appartements der Callgirls nicht »eingesehen werden können«. Erlaubt wiederum sind Strich und Absteige in besonders ausgewiesenen »Toleranzzonen«, die nach gefestigter Verwaltungsrechtsprechung zehn Prozent der gesamten städtischen Fläche ausmachen müssen. Gegen diese Platzzuweisung protestiert zum Beispiel die Prostituierten-Selbsthilfegruppe HWG - was für »Huren wehren sich gemeinsam« steht und laut Vereinsvorstand nur rein zufällig auch das Justizkürzel für »häufig wechselnder Geschlechtsverkehr« ist.

Neben den Gleisanlagen im Gutleutviertel werde es, so die HWG-Frauen, »im wahrsten Sinne des Wortes dunkel«. Prognose für das andere, das Osthafen-Revier: »Nach 17 Uhr kein Durchgangsverkehr, total tote Hose. Den aus dem Bahnhofsviertel vertriebenen Anschafferinnen bleibt die Breite Gasse, die älteste Puffzone der Stadt, eine Adresse für weniger gehobene Ansprüche.

Deshalb werden hier, ahnen die Huren, die Zimmerpreise »ins Astronomische klettern« und dann »sehr wahrscheinlich Schmiergelder gezahlt«. Die Zuhälter, befürchtet HWG-Mitglied Carmen, 25, »gewinnen dadurch wieder Oberwasser«. In ihrer Einschätzung, die Bahnhofsviertel-Säuberung fördere kriminelles Handeln statt es einzudämmen, sind sich die Dirnen einig mit der Kripo vom Kiez.

Prostituierte und Loddel, notierte der Polizeioberrat Hans Robert Philippi, langjähriger Chef der Bahnhofs-Soko, stünden hier »unter permanenter Kontrolle«. Die Randkriminalität wie Raub, Beischlafdiebstahl oder Streit um Dirnenlohn, beschreibt Philippi die Lage, halte sich im Viertel nur »in einem nicht ausrottbaren Normalzustand«. Aber »eine weitere Splitterung über das gesamte Stadtgebiet«, warnt der Kiez-Kenner, würde die polizeiliche Übersicht »stark beeinträchtigen«.

Dafür hat die Sperrgebietsverordnung die Grundstückspekulanten hellwach gemacht. Im Revier haben sich bereits Geldinstitute wie die Dresdner Bank und Versicherungen wie die Aachen-Münchner eingekauft. Anstatt ein klares Sanierungskonzept vorzustellen, verwirrt der Magistrat mit vagen Skizzen. Sein Vorgänger Wallmann aber hatte schon orakelt, es werde »auch neue Hochhäuser geben«, nicht »um jeden Preis, aber auch nicht niemals«.

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Statt erneuter Klotzerei, wie im Westend, bedarf es nach Ansicht von Kennern der Bahnhofsszene nur weniger Schönheitsreparaturen, um das Leben dort erträglicher zu gestalten, ohne das Flair zu zerstören. Wie das aussehen könnte, hat eine Planungsgruppe der Technischen Hochschule Darmstadt erarbeitet.

So sollte etwa ein Zentrum zur Förderung der von den »Gastarbeitern mitgebrachten Kulturen« eingerichtet, ihnen eine »repräsentative Moschee gebaut« und ein Treff für Dirnen geschaffen werden, »die aus den überkommenen Strukturen ausbrechen wollen«. Andere Kritiker der christdemokratischen Erneuerung wie die Stadtplanerin Luise King warnen davor, Frankfurt zum »technisch-wirtschaftlichen Instrument« verkommen zu lassen.

Ein »gefährlicher Schritt« dahin sei, so die Architektin, »Milieugruppen aus dem Bahnhofsviertel herauszulösen«. Doch Oberbürgermeister Wolfram Brück ist entschlossener denn je, die Dirnen zu verjagen. Wenn er schon, wie er einmal der »Frankfurter Neuen Presse« gestand, »nicht völlig die Prostituierten in unserer Stadt beseitigen« kann, dann sollen, dafür sorgte er jetzt, zumindest christdemokratische Politiker ihre Nähe meiden.

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